{"id":840,"date":"2005-12-24T14:14:37","date_gmt":"2005-12-24T13:14:37","guid":{"rendered":"https:\/\/ritualart.ch.80-74-139-101.brenda.xelon.ch\/?p=840\/"},"modified":"2017-05-03T14:15:54","modified_gmt":"2017-05-03T12:15:54","slug":"where-shall-i-seek-god","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ritualart.ch\/en\/where-shall-i-seek-god\/","title":{"rendered":"Where shall I seek God?"},"content":{"rendered":"<p><em>Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Christus Jesus als den Herrn, uns selbst<\/em><br \/>\n<em>aber als eure Diener um Jesu willen. Denn Gott, der gesagt hat: Aus der Finsternis<\/em><br \/>\n<em>soll Licht aufstrahlen! er ist es, der es in unseren Herzen hat aufstrahlen lassen, so<\/em><br \/>\n<em>dass wir erleuchtet wurden durch die Erkenntnis von der Herrlichkeit Gottes auf dem<\/em><br \/>\n<em>Angesicht Christi. <\/em><br \/>\n<em>2Kor 4,5-6<\/em><\/p>\n<p><!--more-->Liebe Gemeinde<br \/>\nHeute ist der Tag, an welchem das Licht Gottes in der Welt, in Jesus Christus, in<br \/>\nunseren Herzen aufleuchtet. Heute ist nicht einer der vielen Tage, die es jahrein<br \/>\njahraus gibt. Heute ist nicht ein weiterer Tag des Kalenders. Sondern heute ist der<br \/>\nTag, der uns aus unseren Gewohnheiten und Programmen herausreisst. Heute ist<br \/>\nder Tag, an welchem andere Regeln und Verhaltensweisen zur Geltung kommen:<br \/>\nHeute ist der Tag, der vom Aufleuchten des Lichtes Gottes bestimmt ist. Machen wir<br \/>\nuns deshalb auf, um dieses Licht zu finden, um dieses Licht st\u00e4rker werden zu<br \/>\nlassen, um dieses Licht zu werden. Denn heute haben wir die Gelegenheit, uns als<br \/>\nganze Menschen vom Licht Gottes erleuchten zu lassen. Nehmen wir diese Chance<br \/>\nhier und jetzt wahr !<br \/>\nEs ist Heilig Abend. Viele von uns werden heute Abend bereits viele nicht allt\u00e4gliche<br \/>\nLichter gesehen haben. Lichter auf Tannb\u00e4umen. Lichter von Weihnachtskerzen.<br \/>\nLichter von Weihnachtsdekorationen. Aber wie steht es mit dem Licht Gottes ? Habt<br \/>\nIhr dieses Licht in den vielen nichtallt\u00e4glichen Lichtern gesehen ? Habt Ihr das Licht<br \/>\nentdeckt, dass Gott in dieser Welt entzu\u0308ndet hat ? Habt Ihr das Licht wahrgenommen,<br \/>\ndas Gott in Jesus Christus zum Leuchten bringt ? Habt ihr das Licht in Euren<br \/>\nHerzen aufleuchten sehen, das Euer Bewusstsein zum Erwachen bringt ? Suchen<br \/>\nwir jetzt dieses Licht, auf dass es uns und durch uns auch unsere Welt erleuchte !<br \/>\nWer suchen will, muss wissen, wo er suchen soll. Es hat keinen Sinn, das verlorene<br \/>\nPortemonnaie in der Nacht bei der hellen Strassenlaterne zu suchen, nur weil es dort<br \/>\nhell ist, aber man gar nicht weiss, ob man es dort suchen soll. Wo also muss man<br \/>\ndas Licht Gottes suchen ?<br \/>\nAm Anfang, als Gott Himmel und Erde schuf, war die Erde wu\u0308st und \u00f6de, und<br \/>\nFinsternis lag auf der Urflut, heisst es zu Beginn des biblischen Sch\u00f6pfungsberichts.<br \/>\nDas Licht, das Gott schuf, hatte er in diese fundamentale Finsternis der Erde hinein<br \/>\nund u\u0308ber der Urflut geschaffen. Nicht irgendwo leuchtete das Licht, sondern das Licht<br \/>\nerschien in der abgru\u0308ndigen Finsternis der rohen, unbearbeiteten Materialit\u00e4t. Dort<br \/>\nwurde es hell, dort war und ist das Licht Gottes zu finden, dort werden wir es suchen<br \/>\nmu\u0308ssen.<br \/>\nEs ist nicht leicht, fu\u0308r uns kultivierte und von unseren selbstgeschaffenen Lichtern<br \/>\ngejagte Menschen in die abgru\u0308ndige Finsternis des Rohen, Unbearbeiteten und<br \/>\nUnkultivierten zu schauen. Und doch geht es genau darum. Nicht um unsere eigenen<br \/>\nLichter, nicht um die Leistungen unserer Kultur, unserer Gesellschaft, unseres<br \/>\neigenen Lebens abzuwerten, sondern um f\u00e4hig zu werden, das Licht Gottes zu<br \/>\nsehen.<br \/>\nHeute ist der Tag, an welchem das Licht Gottes in der Welt, in Jesus Christus, in<br \/>\nunseren Herzen aufleuchtet. Heute sind wir aufgerufen, an den Lichtern, die wir uns<br \/>\nselbst gemacht haben, vorbei- und in die Finsternis hineinzuschauen. Heute sind wir<br \/>\naufgefordert, durch unsere eigenen Lichter hindurch in die Finsternis zu blicken, die<br \/>\nuns st\u00e4ndig umgibt, die wir aber normalerweise nicht beachten wollen: die Finsternis<br \/>\nder Verlassenheit. Wo die Lichter aufh\u00f6ren, beginnt die Verlassenheit. Wo wir nicht<br \/>\nmehr im Licht stehen, fangen wir an, uns verlassen zu fu\u0308hlen. Wo wir kein Licht mehr<br \/>\nsehen, wird uns bewusst, dass wir verlassen sind. Dies und nichts anderes ist die<br \/>\nRealit\u00e4t, die fu\u0308r uns zur Tatsache wird, wenn uns das Licht fehlt. Dies ist die Realit\u00e4t,<br \/>\nin der uns die Erde wu\u0308st und \u00f6de wird und wir nur noch die Finsternis haben, die auf<br \/>\nder Urflut lag. Wir werden den Blick in diese unheimliche Realit\u00e4t kaum lange<br \/>\nertragen. Es braucht viel \u00dcbung, der Realit\u00e4t der Verlassenheit standzuhalten, nicht<br \/>\nabzudrehen und statt dessen in sie hineinzublicken. Aber genau der Blick in sie ist<br \/>\nder Weg, um das Licht Gottes, das in der Finsternis aufleuchtet, zu sehen.<br \/>\nWer Gott suchen will, muss lernen, seinen Blick in die Finsternis der Verlassenheit zu<br \/>\nwerfen; muss lernen, das Bewusstsein von Verlassenheit zu entwickeln; muss<br \/>\nlernen, sich nicht von Verlassenheitsgefu\u0308hlen u\u0308berschwemmen zu lassen, sie statt<br \/>\ndessen wahrzunehmen und die Verlassenheit als formgebendes Prinzip seines<br \/>\nBewusstseins anzuerkennen. Wo dies geschieht, wird man vertrauter mit der<br \/>\nFinsternis, mit dem Unglu\u0308ck, mit dem Schmerz, und man entwickelt die Furcht und<br \/>\nden Respekt, der ihnen gebu\u0308hrt. Zugleich weicht die Verachtung, mit der man sie so<br \/>\ngerne belegt. Wo das Bewusstsein von Verlassenheit w\u00e4chst, weiss und anerkennt<br \/>\nman die Not derer, die in der Finsternis sind, und man wird f\u00e4hig, sie nicht mehr mit<br \/>\nVerachtung zu strafen, sondern ihnen nahe zu kommen. Die Suche nach Gott fu\u0308hrt<br \/>\nunvermeidbar in die Furcht und den Respekt vor der Finsternis, in der andere<br \/>\nMenschen, in der wir selbst stehen, fu\u0308hrt unmittelbar in die Tapferkeit, Menschen, die<br \/>\nin der Finsternis sind, uns selbst, die wir in der Finsternis sind, nicht zu verachten,<br \/>\nsondern mitfu\u0308hlend und barmherzig zu begegnen und nahe zu sein.<br \/>\nHeute ist der Tag, an welchem das Licht Gottes in der Welt, in Jesus Christus, in<br \/>\nunseren Herzen aufleuchtet. Heute ist der Tag, an welchem wir in der Finsternis das<br \/>\nLicht Gottes sehen. Heute ist der Tag, an welchem wir in der menschlichen<br \/>\nVerlassenheit die himmlische Sch\u00f6nheit entdecken. Heute ist der Tag, an welchem in<br \/>\nunseren Herzen und fernab von den vielen Lichtern das himmlische Licht erscheint.<br \/>\nWir m\u00f6gen die Weihnachtsgeschichte unz\u00e4hlige Male geh\u00f6rt haben; wir m\u00f6gen<br \/>\nKrippenspiele erlebt haben; wir m\u00f6gen moderne Interpretationen vernommen<br \/>\nhaben&#8230; all diese Dinge sind unwesentlich, solange das Licht Gottes, dass in Jesus<br \/>\nChristus erschienen ist, nicht auch unsere Herzen erleuchtet. Es ist dies nicht ein<br \/>\nEreignis, in welchem wir uns etwas vorstellen oder einbilden mu\u0308ssen, sondern es ist<br \/>\neines, in welchem wir die Ausstrahlung dieses Menschen sehen und vom Licht, das<br \/>\nwie Paulus sagt: auf seinem Angesicht leuchtet, angeru\u0308hrt werden.<br \/>\nDas Licht, das auf diesem Angesicht erstrahlt und unsere Herzen erleuchtet, spiegelt<br \/>\nsich auf dem Angesicht jedes Menschen. Auf dem Angesicht jedes Menschen kann<br \/>\nuns das Licht Gottes, das auf dem Angesicht Jesu Christi erschienen ist, begegnen.<br \/>\nEs begegnet uns n\u00e4mlich genau dann, wenn wir das Angesicht der Verlassenen und<br \/>\nUnglu\u0308cklichen mit unserem Herzen sehen; wenn wir uns nicht von den Lichtern<br \/>\ndieser Welt verfu\u0308hren lassen, sondern die Verlassenheit anderer als unsere eigene<br \/>\nVerlassenheit sehen; wenn wir durch Haben und Nichthaben, durch Wissen und<br \/>\nNichtwissen, durch Freuden und Leiden hindurch bewusst mit andern die Finsternis<br \/>\nteilen, in der wir als Menschen leben. Was wir einem dieser \u201eGeringsten\u201c tun, d.h.<br \/>\nwas wir einem dieser Tapferen tun, welche ihre eigene Verlassenheit erleiden und<br \/>\nmit ihr zu leben versuchen, das haben wir Christus getan (Mat 25,45). Denn diese<br \/>\n\u201eGeringsten\u201c, diese Verlassenen, sind es, die ihr Kreuz tragen; denn sie sind es, in<br \/>\nderen Angesicht sich das Licht Gottes widerspiegelt, das im Angesicht Jesu Christi<br \/>\nerstrahlt.<br \/>\nWas wir auf ihrem Angesicht sehen, ist nicht das Licht des kultivierten und<br \/>\ncharmanten Menschen. Es ist das Licht der Unmittelbarkeit, das jedes Wenn und<br \/>\nAber zunichte macht; das Licht der Kraft, das jedes Wollen und Vermeiden<br \/>\ndurchdringt; das Licht der Klarheit, das jedes Zweifeln und Sorgen beseitigt. Es ist<br \/>\neben das gewaltige, in keiner Weise von Menschenhand kultivierte, urspru\u0308ngliche<br \/>\nLicht Gottes, das in der Finsternis scheint und uns mit der Realit\u00e4t konfrontiert, die<br \/>\nist. Von diesem Licht k\u00f6nnen wir immer nur soviel sehen, wie wir der Finsternis<br \/>\nstandzuhalten verm\u00f6gen. Dieses Licht leuchtet uns immer nur soviel auf, als wir das<br \/>\nAngesicht der Geringsten, der Verlassenen, der Unglu\u0308cklichen in unserem Herzen<br \/>\nertragen k\u00f6nnen. Es ist eben das Licht von Weihnachten, das Licht des Verlassenen,<br \/>\ndas unsichtbar fu\u0308r die Welt, die nur ihre eigenen Lichter sieht, in einem Stall<br \/>\nerschienen ist, aber all denjenigen Menschen aufleuchtet, die wie die Magier den<br \/>\nBlick in die Finsternis der Nacht wagen und dort mit dem Herzen den Stern sehen,<br \/>\nder ihnen den Weg weist. Beten wir deshalb darum, dass auch wir \u2013 hier und jetzt \u2013<br \/>\nden Mut haben, mit unserem Herzen in das Angesicht derer zu blicken, die in der<br \/>\nFinsternis der Verlassenheit sind, um genau in deren Angesicht das Licht Gottes zu<br \/>\nschauen, das aus ihm erstrahlt, auf dass es bei uns Weihnachten werde. Amen.<\/p>\n<p>Predigt vom 24. Dezember 2005 in Wabern<br \/>\nBernhard Neuenschwander<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ritualart.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/1224_2kor_4_5-6_p.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">PDF Datei herunterladen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Christus Jesus als den Herrn, uns selbst aber als eure Diener um Jesu willen. 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