{"id":779,"date":"2005-07-10T18:25:10","date_gmt":"2005-07-10T16:25:10","guid":{"rendered":"https:\/\/ritualart.ch.80-74-139-101.brenda.xelon.ch\/?p=779\/"},"modified":"2017-05-05T15:34:16","modified_gmt":"2017-05-05T13:34:16","slug":"on-the-way-towards-peace","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ritualart.ch\/en\/on-the-way-towards-peace\/","title":{"rendered":"On the way towards peace"},"content":{"rendered":"<p><em>Frieden lasse ich euch zuru\u0308ck, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt gibt,<\/em><br \/>\n<em>gebe ich euch. Euer Herz lasse sich nicht beunruhigen und verzage nicht !<br \/>\nJoh 14,27.<\/em><!--more--><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde<br \/>\nEs ist mir eine grosse Ehre, am heutigen Sonntag hier bei Euch sprechen zu du\u0308rfen und<br \/>\nmeinen Glauben an Gott und den Frieden, den er uns verheissen hat, mit Euch zu teilen.<br \/>\nIch danke Euch, dass Ihr mir diese Ehre erweist, und ich danke Herrn Prof. Mineshige fu\u0308r<br \/>\ndie grosse Arbeit, mich, der ich leider nicht in der Lage bin, japanisch zu Euch zu<br \/>\nsprechen, zu u\u0308bersetzen.<br \/>\nWenn ich hier bei Euch von Frieden spreche, dann habe ich gewiss auch den Weltfrieden<br \/>\nvor Augen, den grossen Shalom, von dem im Alten Testament immer wieder die Rede ist.<br \/>\nIch m\u00f6chte Eure Aufmerksamkeit jetzt jedoch nicht auf diesen Frieden lenken, sondern auf<br \/>\nden inneren, pers\u00f6nlichen Frieden. Der innere Friede ist gewiss nicht das Ende des<br \/>\nchristlichen Glaubens. Aber er ist ein guter Anfang auf dem Weg zum Shalom.<br \/>\nEs braucht Mut, sich auf den Weg des Friedens zu begeben. Es braucht Mut, zu diesem<br \/>\nWeg wirklich zu stehen, und es braucht noch mehr Mut, sein Leben so einzurichten, dass<br \/>\nder pers\u00f6nliche Frieden tats\u00e4chlich w\u00e4chst und man in seinem Auftreten und Handeln mit<br \/>\nandern Menschen Frieden ausstrahlt. Der Mut, den es braucht, ist der Mut, zu sich selbst<br \/>\nSorge zu tragen.<br \/>\nDer Mut, zu sich selbst Sorge zu tragen, ist weder etwas Egoistisches noch etwas<br \/>\nEsoterisches. Wenn man zu sich selbst Sorge tr\u00e4gt, wird man fru\u0308her oder sp\u00e4ter nicht<br \/>\ndarum herumkommen, sein Leben in Gott zu verankern und im Einklang mit seinem Willen<br \/>\nzu leben. Ein solches Leben wird den Frieden suchen, welcher unabh\u00e4ngig von den<br \/>\nLebensumst\u00e4nden, mit denen man konfrontiert ist, Gu\u0308te, Klarheit und Zufriedenheit<br \/>\nschenkt; es wird den Frieden suchen, der trotz Kampf, Auseinandersetzung und Leid<br \/>\nunerschu\u0308tterlich bleibt; es wird den Frieden suchen, aus der man die verschiedenen<br \/>\nAufgaben, die einem das Leben stellt, anpacken kann. Wenn man Sorge zu sich tr\u00e4gt,<br \/>\nwird man sich fru\u0308her oder sp\u00e4ter darum ku\u0308mmern wollen, den Frieden Gottes zu erleben,<br \/>\nihn zu leben und andern Menschen spu\u0308rbar zu machen.<br \/>\nGenau diesen Weg geht auch das Johannesevangelium. Dieses Evangelium spricht nicht<br \/>\nin erster Linie vom grossen, weltweiten Shalom. Das Johannesevangelium beginnt bei der<br \/>\nSorge des Einzelnen um sich. Es tut dies nicht, um dort stehen zu bleiben, sondern es tut<br \/>\ndies, um den Einzelnen zu einem echten, inneren Frieden zu bringen, der Ausstrahlung<br \/>\nhat, Standfestigkeit im Leiden gibt und eine Ressource ist, sich fu\u0308r den Weltfrieden<br \/>\neinzusetzen.<br \/>\nIch m\u00f6chte Euch dazu einen Gedanken vortragen, den Jesus vor seiner Gefangennahme<br \/>\nden Ju\u0308ngern anvertraut hat und mit dem er diese zu einem angstfreien und souver\u00e4nen<br \/>\nLeben erm\u00e4chtigen will. Ich lese aus Joh 14,27.<br \/>\nFrieden lasse ich euch zuru\u0308ck, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt gibt,<br \/>\ngebe ich euch. Euer Herz lasse sich nicht beunruhigen und verzage nicht !<br \/>\nDer Weg der Sorge um sich, den das Johannesevangelium zur Kultivierung des inneren<br \/>\nFriedens beschreitet, beginnt beim Glauben an Jesus. Jesus ist fu\u0308r das<br \/>\nJohannesevangelium der Mensch, der den Frieden Gottes verk\u00f6rpert, ausstrahlt und lebt.<br \/>\nFu\u0308r dieses Evangelium beginnt der Weg deshalb mit der Bezogenheit zu diesen<br \/>\nMenschen. Er beginnt mit dem Respekt, sich ernsthaft auf diesen Menschen einzulassen.<br \/>\nEr beginnt mit der Bereitschaft, sich der Ausstrahlung dieses Menschen auszusetzen und<br \/>\nsich von ihr formen zu lassen. Wo dies geschieht, beginnt der Friede Gottes, den Jesus<br \/>\nverk\u00f6rpert, auf einem abzuf\u00e4rben. Er beginnt an einem zu arbeiten. Der Weg der Sorge<br \/>\num sich, der Weg zum Frieden Gottes, beginnt in diesem Evangelium also damit, sich auf<br \/>\ndie Ausstrahlung Jesu einzulassen.<br \/>\nSpu\u0308rt man den Frieden Gottes zwar in der Bezogenheit auf den Menschen Jesus, jedoch<br \/>\nnur in seiner N\u00e4he, dann ist er noch nicht wirklich in einem selber verwurzelt. Um auf den<br \/>\nWeg des Friedens zu gelangen, ist der Glaube an den Menschen Jesus ganz wichtig.<br \/>\nAber wenn man nur in dessen N\u00e4he Frieden spu\u0308rt, kann noch viel Unfrieden in einem<br \/>\nselbst sein. Der Frieden, den man im Umfeld eines grossen Menschen spu\u0308rt, kann einen<br \/>\nwie eine Zuckerglasur u\u0308berdecken, die zwar \u201elieb und nett\u201c macht, jedoch viele b\u00f6sen<br \/>\nGefu\u0308hle wie Hass, Zorn, Neid oder Gier im Herzen unberu\u0308hrt l\u00e4sst. Eine solche Maske von<br \/>\nNettigkeit und H\u00f6flichkeit tut einem selbst und tut auch den andern Menschen nicht<br \/>\nwirklich gut. Damit der Frieden Gottes in unserem Herzen wirklich Einzug halten kann,<br \/>\nbraucht es mehr.<br \/>\nJesus gibt in unserem Predigttext den Frieden unmittelbar bevor er gefangen genommen,<br \/>\nverspottet, gefoltert und gekreuzigt wird. Der Frieden, den er seinen Ju\u0308ngern zuru\u0308ckl\u00e4sst,<br \/>\nhat genau diese brutalen und gewaltt\u00e4tigen, also alles andere als friedlichen Aktionen vor<br \/>\nsich. Und trotzdem verheisst er vor diesem Grossen Kampf nichts weniger als seinen<br \/>\nFrieden. Die Pointe ist offensichtlich, dass der Frieden, den er seinen Ju\u0308ngern hinterl\u00e4sst,<br \/>\nnicht ein Frieden bleiben soll, den diese nur im vertrauten Zusammensein mit ihrem<br \/>\nMeister erleben sollen, sondern ein Frieden werden soll, der die Gewaltt\u00e4tigkeit und<br \/>\nVerlogenheit des B\u00f6sen durchdringt und mit seinem Feuer wie Kohlen durchglu\u0308ht.<br \/>\nEs ist nicht einfach, im Angesicht von B\u00f6sem gut, im Angesicht von Gewalt friedfertig, im<br \/>\nAngesicht von Verlogenheit wahrhaftig zu bleiben. Aber Jesus hat genau dies gelebt. Er<br \/>\nhat B\u00f6ses nicht mit B\u00f6sem vergolten. Er hat sich nicht zu Gewaltaktionen oder verlogenen<br \/>\nSpielen hinreissen lassen, sondern er ist dem Weg des Friedens Gottes sogar im<br \/>\nAngesicht seiner kommenden Kreuzigung treu geblieben.<br \/>\nGefordert ist von den Ju\u0308ngern vorerst nur, dies auf sich wirken zu lassen, dies<br \/>\nwahrzunehmen, dies zu realisieren. Mehr ist vorderhand gar nicht n\u00f6tig. Es genu\u0308gt, wenn<br \/>\nman, mit seinem Herzen wahrnimmt, wie der Frieden Gottes mit der Kreuzigung Jesu in<br \/>\ndie Abgru\u0308nde des B\u00f6sen dringt. Es genu\u0308gt, wenn man diesen Frieden zu erkennen<br \/>\nbeginnt, der Angst, Verzweiflung und Schuld nicht abspaltet und verleugnet, sondern sich<br \/>\ngenau dieser Erfahrung aussetzt, aber durch diese hindurch zu dem Frieden Gottes<br \/>\nheranreift, der er immer schon gewesen ist. In diesem Prozess der Reifung des Friedens<br \/>\nwird alles Ku\u0308nstliche \u201eLieb und Nett\u201c abgestreift, wird der eigene Unfriede durch das Feuer<br \/>\nder Krise gel\u00e4utert und der Frieden in einem geweckt, der nicht von aussen kommt und<br \/>\naufgesetzt ist, sondern von innen her tr\u00e4gt und gelebt ist.<br \/>\nEin derartiger Frieden hat nicht mehr Angst vor der Angst. Ein derartiger Friede kennt<br \/>\nseine Angst, aber er kennt auch den Drachen, der dieser Angst standhalten kann; er kennt<br \/>\nden Drachen, der dem B\u00f6sen in die Augen schauen kann; er kennt den Drachen, der um<br \/>\ndas Gift des B\u00f6sen weiss, aber deswegen nicht weich wird und sich von ihm verfu\u0308hren<br \/>\nl\u00e4sst: Es kennt den Drachen der allm\u00e4chtigen Liebe.<br \/>\nEin Frieden, der von diesem allm\u00e4chtigen Drachen der Liebe beschu\u0308tzt wird, muss viel<br \/>\nUnrecht und Leid einstecken. Der Weg des Friedens ist kein leichter und angenehmer<br \/>\nWeg. Man kann sich dies nicht deutlich genug vor Augen halten. Das Leben Jesu und das<br \/>\nLeben der vielen Frauen und M\u00e4nner, die als Martyrer des g\u00f6ttlichen Friedens gestorben<br \/>\nsind, bezeugen dies nachdru\u0308cklich. Aber ein solcher Weg wird aus der Kraft Gottes gelebt.<br \/>\nEin solcher Weg hat deshalb auch die Kraft, Leid und Unrecht einzustecken. Er hat die<br \/>\nKraft, dann, wenn er einstecken muss, gerade und aufrecht zu bleiben und sich nicht<br \/>\nverformen zu lassen. Es ist der Weg des Friedens, der trotz allem, was das Leben bringen<br \/>\nmag, dem Frieden treu bleibt, den Frieden bezeugt, lebt und ausstrahlt.<br \/>\nDiese Art von Frieden ist immer noch \u201enur\u201c ein innerer Frieden und nicht der Weltfrieden.<br \/>\nDas ist v\u00f6llig wahr. Er ist deshalb immer nur der Anfang und nicht das Ende des Weges.<br \/>\nDie Arbeit am Shalom fu\u0308r die Welt bleibt eine Aufgabe. Aber es ist ein innerer Frieden mit<br \/>\neinem ausserordentlich grossen Potential. Spu\u0308rt man ihn, entsteht eine Souver\u00e4nit\u00e4t, eine<br \/>\nWahrhaftigkeit, eine Freude gegenu\u0308ber den Hochs und Tiefs des Lebens und die Kraft,<br \/>\ngegenu\u0308ber dem B\u00f6sen nicht zu resignieren oder zu verzweifeln. Wenn man so Sorge um<br \/>\nsich tr\u00e4gt, dass der Friede Gottes in sich lebt, kann man immer wieder neu aus diesem<br \/>\nFrieden fu\u0308r diesen Frieden k\u00e4mpfen.<br \/>\nDer Weg des Friedens wird auf diese Weise zu einem Weg der Erm\u00e4chtigung. Er wird zu<br \/>\neinem Weg, Frieden nicht nur in der N\u00e4he Jesu zu erleben, sondern Friede in sich selbst<br \/>\nzu tragen, auszustrahlen und andern Menschen spu\u0308rbar zu machen. Der Weg der Sorge<br \/>\num sich erweist sich damit als das, was er ist: als Weg der Sorge um den Frieden Gottes.<br \/>\nBitten wir deshalb Gott, dass wir uns auf diesen Weg des Friedens einlassen, auf den uns<br \/>\nJesus gerufen hat. Bitten wir ihn jedoch auch darum, dass wir diesen Frieden durch die<br \/>\nAbgru\u0308nde des B\u00f6sen reifen lassen, auf dass wir dazu erm\u00e4chtigt werden, Tr\u00e4ger und<br \/>\nVerbreiter des g\u00f6ttlichen Friedens zu werden.<br \/>\nAmen.<\/p>\n<p>Predigt vom 10. Juli 2005 in Kobe, Japan<br \/>\nBernhard Neuenschwander<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ritualart.ch\/wp-content\/uploads\/2005\/07\/PredigtKobe2005.pdf\">PDF Herunterladen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frieden lasse ich euch zuru\u0308ck, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz lasse sich nicht beunruhigen und verzage nicht ! 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