{"id":715,"date":"2007-06-10T10:39:08","date_gmt":"2007-06-10T08:39:08","guid":{"rendered":"https:\/\/ritualart.ch.80-74-139-101.brenda.xelon.ch\/?p=715\/"},"modified":"2017-04-28T10:40:07","modified_gmt":"2017-04-28T08:40:07","slug":"the-holy-spirit-and-economics-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ritualart.ch\/en\/the-holy-spirit-and-economics-ii\/","title":{"rendered":"The Holy Spirit and economics II"},"content":{"rendered":"<p><em>Er sagte aber auch zu den Ju\u0308ngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter; und dieser wurde bei ihm verklagt, dass er ihm den Besitz verschleudere. Und er liess ihn rufen und sagte zu ihm: Was h\u00f6re ich da u\u0308ber dich? Lege Rechenschaft ab u\u0308ber deine Verwaltung! Denn du kannst nicht mehr Haushalter sein. Da sagte der Haushalter bei sich selbst: Was soll ich tun, da mein Herr mir die Verwaltung nimmt? Graben kann ich nicht; zu betteln sch\u00e4me ich mich. Ich weiss, was ich tun will, damit sie, wenn ich von der Verwaltung abgesetzt bin, mich in ihre H\u00e4user aufnehmen. Und er liess jeden einzelnen der Schuldner seines Herrn zu sich rufen und sagte zu dem ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Der antwortete: hundert Bath Oel. Da sagte er zu ihm: Nimm hier deinen Schuldschein, setz dich schnell hin und schreibe: fu\u0308nfzig. Darnach sagte er zu einem andern: Du aber, wie viel bist du schuldig? Der antwortete: hundert Kor Weizen. Er sagte zu ihm: Nimm hier deinen Schuldschein und schreibe: achtzig. Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, dass er klug gehandelt habe. Denn die S\u00f6hne dieser Welt sind ihrem Geschlecht gegenu\u0308ber klu\u0308ger als die S\u00f6hne des Lichts. Und ich sage euch: Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit sie, wenn er euch ausgeht, euch aufnehmen in die ewigen Hu\u0308tten! <\/em><br \/>\n<em>Luk 16,1-9<\/em><\/p>\n<p><!--more-->Liebe Gemeinde Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit; einsichtig handelt, wer danach tut, sein Ruhm bleibt ewig bestehen. So steht es in Ps 111, und wir tun gewiss gut daran, diese Einsicht, wenn es um die Frage nach dem klugen Umgang mit begrenzten Ressourcen geht, von Anfang an in unsere Mitte zu stellen. Denn wer die Furcht des Herrn in seine Mitte stellt, hat den Raum und die Zeit, die Dinge, so wie sie sind, in sich zu empfangen, und von sich her zu schaffen; wer die Furcht des Herrn in seine Mitte stellt, ist offen und frei, den Selbstwert der Dinge, den sie im Laufe der Zeit erhalten haben, anzuerkennen und zur Geltung zu bringen, ohne sie bloss als Mittel zu einem Zweck zu betrachten; wer die Furcht des Herrn in seine Mitte stellt, hat die Weisheit, begrenzte Ressourcen dankbar wahrzunehmen und respektvoll zu nutzen. Die Furcht des Herrn ist \u2013 um an die Worte, die ich vor zwei Wochen in meiner Pfingstpredigt benutzt habe, zu erinnern \u2013 Gegenwart des Heiligen Geistes und Verwirklichung der \u201e\u00d6konomie ohne \u00d6konomie\u201c. Diese Perspektive soll im Folgenden wegleitend bleiben. Die Frage, was ein kluger Umgang mit begrenzten Ressourcen ist, steht also zur Diskussion. Was diese Ressourcen sind, spielt keine Rolle. Wir k\u00f6nnen an die Bodensch\u00e4tze dieser Erde denken, an die \u00f6kologischen Vorzu\u0308ge dieses Planeten, an Gu\u0308ter unserer Gesellschaft wie Sicherheit, Wissen und Wohlstand oder an menschliche Qualit\u00e4ten wie Gesundheit, Bildung und Humor, oder einfach daran, dass wir Zeit haben, Lebenszeit. All dies sind Ressourcen, und sie alle gibt es auf dieser Erde in einer begrenzten Menge. Sie klug zu nutzen, ist deshalb angezeigt. Und so stellt sich die Frage, was das heisst. Unser Predigtgleichnis gibt auf diese Frage eine Antwort.<br \/>\nIm Zentrum dieses Jesusgleichnisses steht ein Haushalter, der den Besitz eines reichen Mannes verwaltet. Diesem Haushalter wird vorgeworfen, dass er den ihm anvertrauten Besitz verschleudere. Er steht deshalb vor der Ku\u0308ndigung. Die Zeit, die ihm in seiner bisherigen Arbeitsstelle bleibt, ist die Ressource, die er noch hat. Denn er geht davon aus, dass er, wie er sagt, nicht graben kann, also zur praktischen Arbeit nicht taugt, und dass er sich zu betteln sch\u00e4mt, also Sozialhilfeempf\u00e4nger nicht werden will. Um aus dieser misslichen Situation das Beste zu machen, entschliesst er sich, seine einzige noch verbleibende Ressource auszureizen: Er l\u00e4sst die Schuldner seines Herrn zu sich kommen und gibt ihnen die M\u00f6glichkeit, die Schuldscheine, die beim Herrn deponiert sind, zu ihren Gunsten zu manipulieren. Allerdings tut er dies mit einer versteckten Absicht. Er geht n\u00e4mlich davon aus, dass er sich auf diese Weise bei den Schuldnern Sympathien erkauft, die ihm dann, wenn er seine Arbeit verloren hat, von Nutzen sein k\u00f6nnten, indem sie ihn in ihre H\u00e4user aufnehmen und nicht auf der Strasse stehen lassen. Ob diese Rechnung aufgehen wird, ist natu\u0308rlich offen, aber sie ist die Hoffnung, die er hat, um vielleicht doch noch einen \u201egoldenen Fallschirm\u201c zu erhalten. Freilich ist auch klar, dass sein Vorgehen kriminell ist; denn er verfu\u0308gt in eigenem Interesse u\u0308ber fremdes Gut und betru\u0308gt auf diese Weise seinen Herrn. Die grosse \u00dcberraschung des Gleichnisses ist nun aber, dass er fu\u0308r dieses Verhalten vom Herrn nicht bestraft, sondern gelobt wird. Der Herr n\u00e4mlich schenkt der Tatsache, dass er rechtswidrig gehandelt hat, u\u0308berhaupt keine Beachtung und stellt nur anerkennend fest, dass sein Verhalten klug war. Um diese u\u0308berraschende Reaktion des Herrn nachvollziehbarer zu machen, fu\u0308gt das Gleichnis deshalb eine Erl\u00e4uterung an. Erstens stellt es fest, dass die S\u00f6hne dieser Welt gegenu\u0308ber Ihresgleichen klu\u0308ger sind als die S\u00f6hne des Lichts, und zweitens gibt es den Rat, mit dem ungerechten Mammon Freunde zu machen, damit diese, wenn er ausgeht, bereit sind, ihre ewigen Hu\u0308tten fu\u0308r ihre notleidenden Freunde zu \u00f6ffnen. Was ist das nun fu\u0308r eine Erl\u00e4uterung?! Auch sie stellt nicht das kriminelle Verhalten des Haushalters in den Vordergrund. Rechtliche Fragen spielen u\u0308berhaupt keine Rolle. Mit einer bemerkenswerten moralischen Offenheit nimmt sie stattdessen wahr, was in der Welt geschieht: dass der Haushalter von seinem Herr nicht bestraft, sondern fu\u0308r sein kluges Verhalten gelobt wird. Sie erkl\u00e4rt dies damit, dass hier zwei S\u00f6hne der Welt aufeinander getroffen sind, die wissen, wie \u201ees\u201c in der Welt geht, deshalb deren Klugheit kennen und anerkennen. Es ist bemerkenswert, dass die Erl\u00e4uterung des Gleichnisses in der Lage ist, dies so wertfrei und ohne Abwertung der Welt zum Ausdruck zu bringen. Die Erl\u00e4uterung geht sogar noch einen Schritt weiter, indem sie dazu auffordert, von dieser Beobachtung zu lernen. Allerdings steht auch hier nicht das kriminelle Verhalten des Haushalters im Vordergrund. Die Erl\u00e4uterung fordert nicht dazu auf, es diesem gleich zu tun, und sie gibt keine Legitimation, korrupt werden zu du\u0308rfen, Geld zu veruntreuen oder Schmiergelder zu bezahlen. Nicht die kriminelle Methode des Haushalters r\u00e4t die Erl\u00e4uterung zur \u00dcbernahme, sondern das Ziel, das er anstrebt: das Geld dafu\u0308r einzusetzen, Freunde zu machen. Sie gesteht freilich zu, dass so investiertes Geld nicht selbstlos sein muss, sondern h\u00e4lt fest, dass die Freunde, die man auf diese Weise gewinnt, von Nutzen sein k\u00f6nnen. Das aber heisst doch, dass die S\u00f6hne des Lichts gut daran tun, von den S\u00f6hnen der Welt zu lernen, wie sie ihr Geld nu\u0308tzlich einsetzen sollen. Zwar sind nicht alle Mittel zum Erreichen der Zwecke geheiligt, aber u\u0308ber die Zwecke kann man sich einigen.<br \/>\nWas bedeutet dies alles nun fu\u0308r uns heute? Zun\u00e4chst ist bemerkenswert, dass das Gleichnis samt seiner Erl\u00e4uterung nicht von einer wie auch immer ideologisch gef\u00e4rbten Moral geleitet ist, die der \u00d6konomie der Welt wertend gegenu\u0308bersteht, sondern offen und genau beobachtet, wie diese funktioniert und darauf aus ist, innerhalb ihres Ansatzes zu argumentieren. Glauben wird also nicht anti\u00f6konomisch gedeutet, sondern als etwas, das sich \u00f6konomisch bew\u00e4hren muss, deshalb gegenu\u0308ber \u00f6konomischen Fragen weder naiv noch voreingenommen ist, sich keine ideologischen Scheuklappen aufsetzt, stattdessen aber die \u00d6konomie der Welt genau aufnimmt und sich im Rahmen von deren Kalku\u0308l zur Geltung bringt. Dies allein impliziert schon vieles\u2026 Allerdings deckt das Gleichnis auch die Pr\u00e4ferenzen auf, die seine \u00d6konomie leiten: die Steigerung des Humankapitals. Wenn die Knappheit der Ressourcen aufdringlich wird, dann sind gute Beziehungen zu andern Menschen das Nu\u0308tzlichste, das bleibt. Es ist deshalb klug, die knappen Mittel zu nutzen, um aus Menschen Freunde zu machen. Das Gleichnis legt Wert darauf, diese Einsicht aus der weltlichen \u00d6konomie fu\u0308r die Glaubens\u00f6konomie zu nutzen. Wichtig ist fu\u0308r die Glaubens\u00f6konomie deshalb, dass man sich 1. bewusst ist, dass die vorhandenen Ressourcen begrenzt sind, daher ein kluger Umgang mit ihnen n\u00f6tig ist und andere Menschen nicht aus Leichtsinnigkeit, Frustration oder Dummheit vor den Kopf gestossen werden sollen; 2. dass man gut daran tut, nicht in erster Linie in die Steigerung der Geldmittel, sondern in die Beziehung zu Menschen zu investieren; 3. schliesslich, dass dies keine Legitimation fu\u0308r korruptes oder kriminelles Verhalten einschliesst. Fasst man diese Einsichten der Glaubens\u00f6konomie aus der \u00d6konomie der Welt zusammen, kann man schlicht und einfach feststellen, dass es \u00f6konomisch sinnvoll ist, seine Ressourcen sorgf\u00e4ltig fu\u0308r andere Menschen einzusetzen. So selbstverst\u00e4ndlich diese Aussage klingt, wir wissen alle, wie wenig selbstverst\u00e4ndlich sie im t\u00e4glichen Leben ist. Die Versuchung, die Knappheit der Ressourcen zu verdr\u00e4ngen, wirtschaftliche \u00dcberlegungen beiseite zu stellen und an unbeschr\u00e4nkte M\u00f6glichkeiten jenseits von jedem Kalku\u0308l zu \u201eglauben\u201c, lauert uns ebenso auf wie diejenige, vor lauter Sparen nicht das Wohl des Menschen, sondern nur die Steigerung der eigenen Geldmittel zu sehen. Von der Versuchung, Ressourcen unrechtm\u00e4ssig fu\u0308r sich selbst zu veruntreuen, ganz zu schweigen. Es ist viel Disziplin n\u00f6tig, Ressourcen wirklich sorgf\u00e4ltig in andere Menschen zu investieren. Der Weg, dies zu u\u0308ben, ist \u2013 und damit komme ich auf den Ausgangspunkt meiner Predigt zuru\u0308ck \u2013 \u201edie Furcht des Herrn\u201c. Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit, die Freiheit des Glaubens, die Kreativit\u00e4t des Geistes, dasjenige, was uns erm\u00f6glicht, in der \u00d6konomie ohne \u00d6konomie zu handeln, also alles, auf seinen Nutzen hin zu berechnen, aber die Konsequenzen aus der Berechnung unbefangen zu ziehen; die H\u00e4rte und Rationalit\u00e4t des \u00f6konomischen Kalku\u0308ls aufzunehmen, aber sorgf\u00e4ltig das Wohl des Menschen zu f\u00f6rdern; die Ressourcen in ihrer Begrenztheit genau zu erfassen, sie aber mit Herz zu investieren. Die Furcht des Herrn ist deshalb der innere Raum, der uns die Aufrichtigkeit gibt, dankbar und respektvoll zu nutzen, was uns gegeben ist. Beten wir also, dass diese in uns wachse und wir lernen, aus den Gu\u0308tern der Erde das Beste zu machen. Amen.<\/p>\n<p>Predigt vom 10. Juni 2007 in Wabern<br \/>\nBernhard Neuenschwander<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ritualart.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/0610__Lk_16.1-9_.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">PDF Datei herunterladen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er sagte aber auch zu den Ju\u0308ngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter; und dieser wurde bei ihm verklagt, dass er ihm den Besitz verschleudere. Und er liess ihn rufen und sagte zu ihm: Was h\u00f6re ich da u\u0308ber dich? Lege Rechenschaft ab u\u0308ber deine Verwaltung! 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