{"id":702,"date":"2006-12-03T10:21:23","date_gmt":"2006-12-03T09:21:23","guid":{"rendered":"https:\/\/ritualart.ch.80-74-139-101.brenda.xelon.ch\/?p=702\/"},"modified":"2017-04-28T10:31:02","modified_gmt":"2017-04-28T08:31:02","slug":"the-preparation-for-the-love-between-heaven-and-earth","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ritualart.ch\/en\/the-preparation-for-the-love-between-heaven-and-earth\/","title":{"rendered":"The preparation for the love between heaven and earth"},"content":{"rendered":"<p><em>Dann wird das Reich der Himmel zehn jungen Frauen gleich sein, die ihre Fackeln<\/em><br \/>\n<em>nahmen und dem Br\u00e4utigam entgegengingen.<\/em><br \/>\n<em>Fu\u0308nf aber von ihnen waren t\u00f6richt, und fu\u0308nf waren klug. Die t\u00f6richten n\u00e4mlich<\/em><br \/>\n<em>nahmen ihre Fackeln und nahmen kein Oel mit sich. Die klugen dagegen nahmen<\/em><br \/>\n<em>ausser ihren Fackeln Oel in ihren Gef\u00e4ssen mit. Doch als der Br\u00e4utigam ausblieb,<\/em><br \/>\n<em>wurden sie schl\u00e4frig und schliefen ein.<\/em><br \/>\n<em>Mitten in der Nacht aber erschallte ein Geschrei: Siehe, der Br\u00e4utigam ! Gehet<\/em><br \/>\n<em>hinaus, ihm entgegen! Da erwachten alle jene jungen Frauen und ru\u0308steten ihre Fackeln.<\/em><br \/>\n<em>Die t\u00f6richten aber sagten zu den klugen: Gebet uns von eurem Oel, denn unsre Fackeln<\/em><br \/>\n<em>verl\u00f6schen ! Da antworteten die klugen: Es m\u00f6chte fu\u0308r uns und fu\u0308r euch nicht reichen;<\/em><br \/>\n<em>gehet vielmehr zu den Kr\u00e4mern und kaufet euch !<\/em><br \/>\n<em>W\u00e4hrend sie aber hingingen, um zu kaufen, kam der Br\u00e4utigam; und die, welche<\/em><br \/>\n<em>bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tu\u0308re wurde verschlossen.<\/em><br \/>\n<em>Sp\u00e4ter kamen dann auch die u\u0308brigen jungen Frauen und sagten: Herr, Herr, \u00f6ffne uns!<\/em><br \/>\n<em>Er aber antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch: ich kenne euch nicht.<\/em><br \/>\n<em>Darum wachtet ! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde. <\/em><br \/>\n<em>Mat 25,1-13<\/em><\/p>\n<p><!--more-->Liebe Gemeinde<br \/>\nWie kommt uns Christus in diesem Advent entgegen ? Wie kommt derjenige, der die<br \/>\nVerbindung von Himmel und Erde verk\u00f6rpert in diesem Jahr zu uns ? Wie nimmt<br \/>\nderjenige, der die Weisheit ist, aus welcher unsere Wirklichkeit wird, was sie in Wahrheit<br \/>\nist, hier und heute bei uns Gestalt an ? Jedes Jahr stellt sich uns diese Frage in der<br \/>\nAdventszeit. Jedes Jahr werden wir in der Adventszeit daran erinnert, dass wir als<br \/>\nGlaubende von dieser Frage nicht loskommen. Jedes Jahr macht sie uns in der<br \/>\nAdventszeit bewusst, dass sie die eigentliche Schlu\u0308sselfrage ist, die unseren Glauben in<br \/>\njedem Moment das werden l\u00e4sst, was er ist. Vertiefen wir uns also in diese Frage !<br \/>\nUnser Gleichnis von den 10 jungen Frauen wird uns dabei helfen.<br \/>\nEs ist gar nicht so einfach, sich klar zu werden, wie man sich die Geschichte, die das<br \/>\nGleichnis erz\u00e4hlt, vorzustellen hat. Worum geht es ? Festgehalten wird zun\u00e4chst, dass<br \/>\ndas Himmelreich zehn jungen Frauen gleich sei, die ihre Fackeln nehmen und dem<br \/>\nBr\u00e4utigam entgegengehen. Dieser Eingangssatz markiert das Thema, um welches es im<br \/>\nFolgenden geht: um das Himmelreich, das ist wie die Vorbereitung auf eine Hochzeit.<br \/>\nDie Handelnden, welche die Hochzeitsvorbereitung zum Ausdruck bringen, sind zehn<br \/>\njunge Frauen. Mit ihnen hat man sich als H\u00f6render der Geschichte zu identifizieren;<br \/>\nu\u0308ber ihre Vorbereitung auf den Br\u00e4utigam hat man nachzudenken; mit ihnen hat man<br \/>\nden Br\u00e4utigam zu erwarten. Dabei wird man sich den Br\u00e4utigam als jemanden<br \/>\nvorzustellen haben, der den jungen Frauen zwar von fru\u0308her bekannt ist, von ihnen<br \/>\njedoch erst mit der Hochzeit als Br\u00e4utigam erkannt werden wird. Er ist fu\u0308r sie eine<br \/>\nbekannt\u2013unbekannte Gr\u00f6sse, die als solche die Erwartungshaltung und die Frage der<br \/>\nVorbereitung aufbaut. Damalige H\u00f6rer des Gleichnisses werden sich vorgestellt haben,<br \/>\ndass es sich bei den zehn jungen Frauen um Freundinnen der Braut handelt, welche im<br \/>\nHaus der Braut mit der Braut zusammen darauf warten, dass diese vom Br\u00e4utigam<br \/>\nabgeholt und in sein Haus gefu\u0308hrt werden, und dass die zehn jungen Frauen dabei die<br \/>\nbeiden auf ihrem Weg vom Haus der Braut zum Haus des Br\u00e4utigams mit ihren<br \/>\nbrennenden Fackeln begleiten. Soweit die Rahmenhandlung.<br \/>\nDas Gleichnis erz\u00e4hlt nun, dass von den zehn jungen Frauen fu\u0308nf t\u00f6richt und fu\u0308nf klug<br \/>\nsind. T\u00f6richt sind die fu\u0308nf Frauen n\u00e4mlich, weil sie zwar je eine Fackel mit einem<br \/>\nbrennbaren Tuch um einen Holzstab vorbereiten, jedoch nicht daran denken, dass sie<br \/>\nauch \u00d6l ben\u00f6tigen werden, mit welchem sie dieses Tuch immer wieder tr\u00e4nken k\u00f6nnen,<br \/>\nso dass es nicht gleich ganz verbrennen wird. Die klugen fu\u0308nf Frauen hingegen bereiten<br \/>\nsich sorgf\u00e4ltig genug vor und nehmen \u00d6l in Gef\u00e4ssen mit, so dass sie in der Lage sein<br \/>\nwerden, die Fackeln am Brennen zu halten. Erz\u00e4hlstrategisch fu\u0308hrt die<br \/>\nGegenu\u0308berstellung der beiden Frauengruppen dazu, sich als H\u00f6rer mit den klugen<br \/>\nFrauen zu identifizieren, sich an ihrem Verhalten zu orientieren, an ihrem Schicksal<br \/>\nteilzunehmen und zu verstehen, dass es nicht darum geht, so zu sein wie die t\u00f6richten<br \/>\nFrauen. Die Gegenu\u0308berstellung der t\u00f6richten und klugen Frauen ist insofern eine<br \/>\nErmutigung, darauf zu vertrauen, dass man sich durchaus klug verhalten kann und nicht<br \/>\nt\u00f6richt zu sein braucht.<br \/>\nOhne dass dies als gr\u00f6sseres Problem markiert wird, erz\u00e4hlt das Gleichnis, dass sich<br \/>\ndas Kommen des Br\u00e4utigams verz\u00f6gert, dass alle zehn jungen Frauen schl\u00e4frig werden<br \/>\nund im Haus der Braut zu schlafen beginnen. Obwohl also die zehn jungen Frauen den<br \/>\nBr\u00e4utigam erwarten, behalten sie die Ruhe, vor seinem Kommen gelassen zu schlafen<br \/>\nund sich darauf zu verlassen, dass sie dann, wenn es soweit sein wird, schon parat sein<br \/>\nwerden. Mir gef\u00e4llt das Vertrauen dieser zehn Frauen !<br \/>\nMitten in der Nacht, der Moment l\u00e4sst sich nicht genau voraussagen, ist es soweit: Mit<br \/>\ngrossem Geschrei werden das Kommen des Br\u00e4utigams angeku\u0308ndet und die zehn<br \/>\njungen Frauen dazu aufgefordert, zum Haus hinaus- und dem Br\u00e4utigam entgegen zu<br \/>\ngehen. Als die zehn Frauen dies zu tun unternehmen und ihre Fackeln anzu\u0308nden,<br \/>\nmu\u0308ssen die t\u00f6richten feststellen, dass die Tu\u0308cher an ihren Fackeln ohne \u00d6l rasch<br \/>\nverbrennen und die Fackeln verl\u00f6schen. Sie bitten deshalb die klugen, ihnen vom \u00d6l zu<br \/>\ngeben. Weil die klugen jedoch nicht soviel mitgebracht haben, dass es fu\u0308r alle reichen<br \/>\nwu\u0308rde, weisen sie die Bitte der t\u00f6richten ab und fordern sie auf, sich welches beim<br \/>\nKr\u00e4mer zu kaufen. Die klugen Frauen behalten also auch in dieser Situation einen<br \/>\nklaren Kopf, k\u00f6nnen abw\u00e4gen, was m\u00f6glich und was unm\u00f6glich ist und lassen sich nicht<br \/>\ndazu hinreissen, auf etwas einzusteigen, das nicht geht. Man wird ihnen deswegen nicht<br \/>\nHartherzigkeit oder mangelnde Solidarit\u00e4t vorwerfen, sondern einfach feststellen, dass<br \/>\nsie realistisch sind.<br \/>\nNun aber beginnt sich die Situation zuzuspitzen. W\u00e4hrend n\u00e4mlich die t\u00f6richten Frauen<br \/>\nauf dem Weg zum Kr\u00e4mer sind, kommt der Br\u00e4utigam, holt die Braut, und alle<br \/>\nAnwesenden gehen zum Haus des Br\u00e4utigams zur Hochzeit. \u00dcberraschend, und zwar<br \/>\nauch fu\u0308r damalige Ohren u\u0308berraschend, wird festgehalten, dass die Tu\u0308r zum Haus der<br \/>\nBr\u00e4utigams verschlossen wird. \u00dcblich war, dass die Tu\u0308r bei Hochzeiten offen blieb und<br \/>\nein reges Kommen und Gehen war. Das Verschliessen der Tu\u0308r hat hier also einen<br \/>\nbesonderen Sinn: es ku\u0308ndet die tragische Wendung an, die den t\u00f6richten Frauen<br \/>\nbevorsteht. Und tats\u00e4chlich: als diese doch noch beim Haus ankommen und den<br \/>\nBr\u00e4utigam bitten, ihnen zu \u00f6ffnen, weist er sie mit der harschen Bemerkung ab:<br \/>\nWahrlich, ich sage euch: ich kenne euch nicht. Das ist hart und schockierend. Der<br \/>\nBr\u00e4utigam nimmt keine Ru\u0308cksicht darauf, dass er hier Freundinnen seiner Braut<br \/>\nabweist, dass diese mitten in der Nacht viel gelaufen sind, um doch noch zu ihrem \u00d6l zu<br \/>\nkommen und dass er ein Freudenfest feiert, das durch eine so harte Ausgrenzung<br \/>\ngewiss nicht freudvoller wird. Aber offenbar will es die Erz\u00e4hlung so, dass gegenu\u0308ber<br \/>\nden positiven Folgen des Klugseins auch die negativen des T\u00f6richtseins deutlich<br \/>\nwerden. Nicht um Angst zu machen; denn die Erz\u00e4hlung ermutigte ja dazu, sich mit den<br \/>\nklugen Frauen zu identifizieren. Aber doch als Warnung, die Vorbereitung auf die<br \/>\nHochzeit nicht allzu leichtfertig zu nehmen. Nur wer vorbereitet ist, darf an die Hochzeit<br \/>\nund \u2013 so wird man aus dem ablehnenden Nichtkennen schliessen mu\u0308ssen \u2013 nur wer<br \/>\nvorbereitet ist, wird vom Br\u00e4utigam hochzeitlich erkannt. Der Schlusssatz h\u00e4lt<br \/>\nentsprechend fest, sich wachsam vorzubereiten, weil weder Tag noch Stunde des<br \/>\nKommens des Br\u00e4utigams bekannt sind. Dass dies das gelassene Schlafen nicht aus-,<br \/>\nsondern einschliesst, haben wir geh\u00f6rt. Stress ist keiner n\u00f6tig, es ist durchaus genug<br \/>\nZeit vorhanden. Aber man soll wachsam sein, die Zeit, die man fu\u0308r die Vorbereitung hat,<br \/>\nzu nutzen.<br \/>\nSoweit das Gleichnis. Ich denke, dass wir uns die Situation einigermassen vorstellen<br \/>\nk\u00f6nnen und verstehen, was erz\u00e4hlt wird. Was aber k\u00f6nnen wir heute, hier und jetzt, in<br \/>\nder Adventszeit, mit dieser Geschichte machen ? Natu\u0308rlich handelt es sich um eine alte<br \/>\nund fu\u0308r unsere Ohren einigermassen seltsame Geschichte, die einiges an<br \/>\nEinfu\u0308hlungsverm\u00f6gen verlangt, um sie u\u0308berhaupt nachvollziehen zu k\u00f6nnen. In der<br \/>\nAlten Kirche und auch im Mittelalter war sie noch sehr beliebt. In vielen mittelalterlichen<br \/>\nKirchen findet man ku\u0308nstlerische Darstellungen der zehn jungen Frauen. Aber was kann<br \/>\nuns dieses Gleichnis heute sagen ?<br \/>\nSelbstverst\u00e4ndlich gibt es viele M\u00f6glichkeiten. Sollen wir uns heute fragen, was die<br \/>\nFackeln und das \u00d6l symbolisieren ? Traditioneller Weise wird das Gleichnis so gedeutet.<br \/>\nDann kann man z. B. mit vielen Kirchenv\u00e4tern und der typisch katholischen Auslegung<br \/>\nfeststellen, dass die Fackeln das Feuer der Liebe sei und das \u00d6l die guten Werke, dass<br \/>\nes also darauf ankomme, nicht nur Liebe zu spu\u0308ren, sondern Liebe auch zu leben. In<br \/>\nder augustinisch &#8211; protestantischen Tradition wird der gleiche Gedanke umgedreht und<br \/>\ngesagt, dass die Fackeln die guten Werke sind, dass diese aber ohne das \u00d6l der Liebe<br \/>\nrasch verl\u00f6schen. Die Botschaft lautet dann, dass die Klugen darauf achten sollen, dass<br \/>\nsie nicht nur Gutes tun, sondern dass sie es aus Liebe tun. Fu\u0308r mich ist weder die eine<br \/>\nnoch die andere Deutung u\u0308berzeugend. Wenn sich das Gleichnis auf diese Botschaft<br \/>\nreduzieren liesse, h\u00e4tte man sie auf andere Weise einfacher und klarer vermitteln<br \/>\nk\u00f6nnen. Ich m\u00f6chte deshalb nicht diesem Weg folgen.<br \/>\nInteressanter ist fu\u0308r mich ein Einstieg beim zusammenfassenden Eingangsatz: das<br \/>\nHimmelreich ist wie die Vorbereitung auf eine Hochzeit. Man muss deswegen ja nicht<br \/>\nausschliessen, dass das Himmelreich auch wie die Teilnahme an einer Hochzeit ist,<br \/>\njedoch die Erwartung ihrer Durchfu\u0308hrung betonen. Die Erwartung aber ist das Stehen in<br \/>\nder Frage: Wie wird die Hochzeit sein ? Wie wird der Br\u00e4utigam sein ? Wie wird die<br \/>\nLiebesvereinigung mit ihm sein ? Es ist durchaus denkbar, dass man hier und jetzt, in<br \/>\njedem Moment, etwas davon erlebt, wie die Antwort auf diese Frage lauten k\u00f6nnte.<br \/>\nSicher und definitiv wird freilich nicht Antwort, sondern immer nur die Frage sein.<br \/>\nDietrich Bonhoeffer, ein grosser Theologe des 20. Jahrhunderts, dessen 100.<br \/>\nGeburtstag wird dieses Jahr gefeiert haben1, hat sich immer wieder von einer<br \/>\nSchlu\u0308sselfrage leiten lassen, von der Frage: Wie nimmt Christus hier und heute Gestalt<br \/>\nan ? Im einzelnen Menschen, in der Kirche, in der Welt. Fu\u0308r ihn war diese Frage der<br \/>\n1 Weitere Informationen zu Dietrich Bonhoeffer finden sich in meinem, am 7.11.2006 in Bern gehalten<br \/>\nVortrag: Ethik im Vorletzten \u2013 ein Gespr\u00e4ch mit Dietrich Bonhoeffer (vgl. www.ritualart.ch \/ Publikationen).<br \/>\nAusgangspunkt des Glaubens, an welchem wir als Glaubende immer stehen. Er<br \/>\nbestreitet keineswegs, sondern zielt vielmehr darauf hin, dass die Antworten zu<br \/>\nverschiedenen Zeiten, fu\u0308r verschiedene Menschen und Gruppen und in verschiedenen<br \/>\nKulturen differieren, dass die Frage jedoch immer dieselbe bleibt. Diese Einsicht<br \/>\nBonhoeffers ist auch der Schlu\u0308ssel zu unserem Gleichnis.<br \/>\nDas Gleichnis von den zehn jungen Frauen stellt uns n\u00e4mlich in genau diese Frage.<br \/>\nChristus, der Messias, die Verbindung von Himmel und Erde, die Weisheit, aus welcher<br \/>\nunsere Wirklichkeit wird, was sie in Wahrheit ist, k\u00f6nnen wir nicht abschliessend kennen<br \/>\nund definieren, wohl aber als Frage wach halten und erwarten wie eine Braut das<br \/>\nKommen ihres Br\u00e4utigams erwartet. Wir sollen klug sein, dass wir dafu\u0308r sorgen, uns<br \/>\nganz dabei zu haben und nicht dann, wenn es soweit ist, Dingen nachrennen zu<br \/>\nmu\u0308ssen, die uns fehlen; denn das Ziel ist, dass wir alle uns ganz auf die Hochzeit<br \/>\neinlassen und ihre Verwirklichung zum Leuchten bringen k\u00f6nnen. Wir sollen also unsere<br \/>\nZeit nutzen, dass wir alles, was wir sind, beisammen haben, dass wir nicht Teile von uns<br \/>\naus Begehrlichkeiten oder \u00c4ngsten irgendwo in unserer Biographie, in unserer<br \/>\nGeschichte, vergessen, und dass wir nicht dann, wenn es soweit ist, von diesen<br \/>\nvergessenen und unverarbeiteten Teilen in Beschlag genommen werden und das<br \/>\ngrosse Fest verpassen. Wir sollen deshalb wachsam sein, dass wir unsere Klugheit<br \/>\nnutzen, um ganz an Leib, Seele und Geist in der Erwartung der Hochzeit da, im Hier und<br \/>\nJetzt pr\u00e4sent, zu sein.<br \/>\nDeutet man das Gleichnis auf diese Weise, bleibt es gerade als Gleichnis wichtig. Als<br \/>\nGleichnis ist es immer nur vorl\u00e4ufig und nicht die Verwirklichung des Himmelreichs<br \/>\nselbst. Aber es h\u00e4lt die Erwartung wach und die Frage gegenw\u00e4rtig: Wie nimmt Christus<br \/>\nin meinem Leben, im Leben der Kirche, im Leben der Welt Gestalt an ? Wie geschieht<br \/>\ndie Hochzeit zwischen Himmel und Erde bei uns ? Wie geschieht sie in jedem Moment<br \/>\ndes Lebens von uns Menschen ? Wie geschieht das Himmelreich, das ist wie diese<br \/>\nHochzeit, hier und jetzt ? Jede Art von fundamentalistischem oder moralischem<br \/>\nFesthalten von Wahrheiten, Normen oder Regeln ist damit unterlaufen, weil nicht die<br \/>\nAntwort, sondern die Frage definitiv ist. Sogar Jesus Christus ist so gesehen nicht die<br \/>\ndefinitive Antwort, um die herum man ein definitives Set von ideologischen oder<br \/>\nmoralischen Antworten bauen k\u00f6nnten, sondern nicht mehr, aber auch nicht wenige als<br \/>\ndie Frage bzw. das Grundgleichnis des Himmelreichs, das als solches immer wieder<br \/>\ndazu auffordert, nach seiner konkreten Realisierung im Hier und Jetzt zu suchen. Umso<br \/>\nmehr aber ist Christus uns als solches ins Herz gegeben, und umso mehr erinnert er<br \/>\nuns mit jedem Herzschlag an die eine Frage: an die Frage, wie wir so wachsam sein<br \/>\nk\u00f6nnen, dass wir hochzeitsf\u00e4hig werden; wie wir so wachsam sein k\u00f6nnen, dass wir<br \/>\nganz in der Erwartung des Br\u00e4utigams da sind; wie wir so wachsam sein k\u00f6nnen, dass<br \/>\nwir die weise Verbindung von Himmel und Erde in unserem Leben wahrnehmen und<br \/>\ngestalten; wie wir so wachsam sein k\u00f6nnen, dass wir das Himmelreich auf der Erde zur<br \/>\nGeltung bringen. Beten wir deshalb, dass wir unser Herz vom Feuer dieser Frage<br \/>\nanstecken lassen und so wachsam bleiben, dass wir dann, wenn die Liebe kommt, frei<br \/>\nund ohne Altlasten auf sie einsteigen k\u00f6nnen. Amen.<\/p>\n<p>Predigt vom 03. Dezember 2006 in Wabern<br \/>\nBernhard Neuenschwander<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ritualart.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/1203__Mat_25.1-13_.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">PDF Datei herunterladen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dann wird das Reich der Himmel zehn jungen Frauen gleich sein, die ihre Fackeln nahmen und dem Br\u00e4utigam entgegengingen. Fu\u0308nf aber von ihnen waren t\u00f6richt, und fu\u0308nf waren klug. Die t\u00f6richten n\u00e4mlich nahmen ihre Fackeln und nahmen kein Oel mit sich. Die klugen dagegen nahmen ausser ihren Fackeln Oel in ihren Gef\u00e4ssen mit. 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