{"id":696,"date":"2006-10-15T10:17:30","date_gmt":"2006-10-15T08:17:30","guid":{"rendered":"https:\/\/ritualart.ch.80-74-139-101.brenda.xelon.ch\/?p=696\/"},"modified":"2017-04-28T10:29:47","modified_gmt":"2017-04-28T08:29:47","slug":"vibration-instead-of-violence","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ritualart.ch\/en\/vibration-instead-of-violence\/","title":{"rendered":"Vibration instead of violence"},"content":{"rendered":"<p><em>H\u00f6ret ein andres Gleichnis: Es war ein Hausherr, der pflanzte einen Weinberg und zog<\/em><br \/>\n<em>einen Zaun darum und grub eine Kelter darin und baute einen Turm; und er<\/em><br \/>\n<em>verpachtete ihn an Weing\u00e4rtner und zog ausser Landes. Als aber die Zeit der Fru\u0308chte<\/em><br \/>\n<em>herangekommen war, sandte er seine Knechte zu den Weing\u00e4rtnern, um seine Fru\u0308chte<\/em><br \/>\n<em>in Empfang zu nehmen. Und die Weing\u00e4rtner ergriffen seine Knechte und schlugen<\/em><br \/>\n<em>den einen, den andern t\u00f6teten sie, den dritten steinigten sie. Wiederum sandte er andre<\/em><br \/>\n<em>Knechte hin, mehr als die ersten, und sie taten ihnen ebenso. Zuletzt aber sandte er<\/em><br \/>\n<em>seinen Sohn zu ihnen, indem er sagte: Sie werden sich vor meinem Sohne scheuen.<\/em><br \/>\n<em>Als jedoch die Weing\u00e4rtner den Sohn sahen, sagten sie untereinander: Dies ist der<\/em><br \/>\n<em>Erbe; kommet, lasset uns ihn t\u00f6ten und sein Erbgut behalten! Und sie ergriffen ihn,<\/em><br \/>\n<em>stiessen ihn zum Weinberg hinaus und t\u00f6teten ihn. Wenn nun der Herr des Weinbergs<\/em><br \/>\n<em>kommt, was wird er mit diesen Weing\u00e4rtnern tun? Sie sagen zu ihm: Er wird sie als<\/em><br \/>\n<em>\u00dcbelt\u00e4ter u\u0308bel umbringen und den Weinberg an andre Weing\u00e4rtner verpachten, die ihm<\/em><br \/>\n<em>die Fru\u0308chte zu ihrer Zeit abliefern werden. Jesus sagt zu ihnen: Habt ihr nie in den<\/em><br \/>\n<em>Schriften gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein<\/em><br \/>\n<em>geworden; durch den Herrn ist dieser es geworden, und er ist wunderbar in unsern<\/em><br \/>\n<em>Augen ? Deshalb sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und<\/em><br \/>\n<em>einem Volk gegeben werden, das dessen Fru\u0308chte bringt. Und als die Hohenpriester<\/em><br \/>\n<em>und Pharis\u00e4er seine Gleichnisse geh\u00f6rt hatten, merkten sie, dass er von ihnen redete;<\/em><br \/>\n<em>und sie suchten ihn festzunehmen, fu\u0308rchteten aber die Volksmenge, weil sie ihn fu\u0308r<\/em><br \/>\n<em>einen Propheten hielt. <\/em><br \/>\n<em>Mat 21,33-46<\/em><\/p>\n<p><!--more-->Liebe Gemeinde<br \/>\nWas k\u00f6nnte den grossen Prozess zwischen Gott und dem Kosmos aufhalten ?! Alles<br \/>\nist am Vergehen und Entstehen; alles, was wir an organischen oder anorganischen<br \/>\nStrukturen und Ordnungen kennen, ist am Zerfallen und Werden. Ob es uns gef\u00e4llt<br \/>\noder nicht: das grosse Gesetz vom \u201eSterben und Werden\u201c macht unsere Wirklichkeit<br \/>\naus und l\u00e4sst sich durch nichts ausser Kraft setzten. Gott und Kosmos bleiben dabei<br \/>\nstets aufeinander bezogen: So wie der Kosmos in Gott hinein stirbt und aus Gott<br \/>\nheraus neu geboren wird, so stirb auch Gott in den Kosmos hinein und wird aus dem<br \/>\nKosmos neu geboren. Beide, sowohl Gott als auch Kosmos, existieren nur in diesem<br \/>\nProzess des sich ineinander Gebens und des sich auseinander Werdens, ohne dass<br \/>\nbeide Seiten je miteinander verschmelzen wu\u0308rden oder dass die eine Seite je von der<br \/>\nandern getrennt werden k\u00f6nnte. Zusammen bilden sie den neutralen Raum dessen,<br \/>\nwas Meister Eckehart \u201eGottheit\u201c nennt, den Kreis also, der beide Seiten zusammenh\u00e4lt<br \/>\nund doch in nichts anderem besteht als in diesem grossen Prozess zwischen beiden<br \/>\nSeiten.<br \/>\nEs tut gut, sich das immer wieder in Erinnerung zu rufen, und es tut gut, sich immer<br \/>\nwieder in diesen Prozess hineinzugeben und aus ihm neu zu werden. Mit jedem Mal<br \/>\nlegen wir etwas von all dem ab, was wir meinen festhalten zu mu\u0308ssen, und mit jedem<br \/>\nMal werden wir ein wenig freier und beweglicher fu\u0308r all das, was in diesem Prozess<br \/>\nentstehen will. Wir verlieren unsere \u00c4ngste und Sorgen, und wir gewinnen Vertrauen<br \/>\nund Zuversicht. Natu\u0308rlich k\u00f6nnen uns die erfahrenen Widerst\u00e4nde gegen diesen<br \/>\nProzess immer noch schmerzen, und natu\u0308rlich k\u00f6nnen wir uns immer noch kritisch<br \/>\nfragen, wie wenig nu\u0308tze ich bin (vgl. Hilde Domin, Wie wenig nu\u0308tze ich bin, in: dies.<br \/>\nGesammelte Werke 30f). Aber wir spu\u0308ren dann auch, dass der grosse Prozess<br \/>\nzwischen Gott und Kosmos viel gr\u00f6sser ist als alles, was wir Menschen beeinflussen<br \/>\nk\u00f6nnen und dass es v\u00f6llig ausreichend ist, wenn wir nur tun, was wir in diesem Prozess<br \/>\nzu tun haben. Der grosse Prozess tr\u00e4gt uns, indem wir in ihm sind, und zugleich genu\u0308gt<br \/>\nes, dass wir ihn tragen, indem wir ihn wahrnehmen und verwirklichen. Denn dann<br \/>\ngeh\u00f6ren wir \u2013 um die Worte unseres Gleichnisses aufzunehmen \u2013 zum Volk, das die<br \/>\nFru\u0308chte des Reiches Gottes bringt.<br \/>\nUnser Gleichnis spricht auch von dem grossen Prozess zwischen Gott und Kosmos. Es<br \/>\ntut dies jedoch in einer einfachen metaphorischen Sprache. Es spricht n\u00e4mlich von<br \/>\neinem Hausherrn, der wie beim letzten Gleichnis Weinbauer ist und alles dafu\u0308r getan<br \/>\nhat, dass sein Rebberg fruchtbar ist: er hat den Rebberg gepflanzt, hat ihn mit einer<br \/>\nMauer geschu\u0308tzt, eine Kelter fu\u0308r die Trauben bzw. den Wein in den Boden gehauen,<br \/>\neinen Wachturm gebaut und hat ihn P\u00e4chtern u\u0308bergeben, die den Rebberg besorgen<br \/>\nsollen, w\u00e4hrend er selber weggereist ist. Erst viel sp\u00e4ter (V 43) wird im Gleichnis<br \/>\ndeutlich gemacht, dass das, was der Weinbauer getan hat, fu\u0308r das Reich Gottes steht:<br \/>\nFu\u0308r das Ineinander von Gott und Rebberg, das Ineinander, das die Arbeit der P\u00e4chter<br \/>\ntr\u00e4gt und zugleich von ihrer Arbeit getragen wird. Denn das Reich Gottes geschieht<br \/>\noffensichtlich, indem Gott und Rebberg zusammenwirken, Fru\u0308chte hervorbringen und<br \/>\ndie P\u00e4chtern Arbeit und Lohn erhalten, aber auch verlangt wird, dass die P\u00e4chter ihre<br \/>\nArbeit verrichten und das Zusammenwirken von Gott und Rebberg kultivieren, hegen<br \/>\nund pflegen.<br \/>\nDas ist die fu\u0308r das Gleichnis vorausgesetzte Rahmenerz\u00e4hlung. Das Gleichnis erz\u00e4hlt<br \/>\nnun aber, dass die Geschichte ganz anderes gelaufen ist. Als n\u00e4mlich die Zeit der<br \/>\nErnte nahte und der verreiste Weinbauer seine Knechte auf den Weinberg schickte, um<br \/>\ndie Fru\u0308chte bzw. den u\u0308blichen Pachtzins einzufordern, ergriffen die P\u00e4chter die<br \/>\nKnechte, pru\u0308gelten den einen, t\u00f6teten den andern und steinigten den dritten. Anstatt<br \/>\nalso dem Ineinander von Gott bzw. Weinbauer und Rebberg treu zu bleiben,<br \/>\nbeanspruchen die P\u00e4chter den Rebberg als ihren Besitz und beseitigen die Vertreten<br \/>\ndes Weinbauern. Das ist allerhand ! Man muss nicht psychoanalytisch geschult sein,<br \/>\ndass einem hier die Ohren klingeln und man an die Geschichte von \u00d6dipus zu denken<br \/>\nbeginnt (&#8230;so n\u00e4mlich wie \u00d6dipus seinen Vater umbringt und die Mutter heiratet,<br \/>\nsuchen die P\u00e4chter den Weinbauern zu beseitigen und den Rebberg in Besitz zu<br \/>\nnehmen&#8230;); denn das Unrecht ist offensichtlich. Aber es lohnt sich dennoch, genau<br \/>\nhinzuhorchen und wahrzunehmen, was hier geschehen ist.<br \/>\nAn die Stelle des fliessenden Ineinanders von Sterben und Werden, von Verlieren und<br \/>\nGewinnen ist offensichtlich das Festhalten von Besitz getreten. Die P\u00e4chter, die den<br \/>\nRebberg weder besitzen noch eingerichtet haben, wollen selber die Position des<br \/>\nWeinbauern einnehmen und niemandem Rechenschaft ablegen. Sie wollen eine in sich<br \/>\ngeschlossene, klare Identit\u00e4t als Besitzer sowie dessen Status haben und u\u0308ber etwas,<br \/>\nden Rebberg, frei verfu\u0308gen k\u00f6nnen. Darin steckt natu\u0308rlich ein Machtanspruch, der nicht<br \/>\nnur sie selbst aufs Podest stellt, sondern ihnen auch den Rebberg als Objekt preisgibt.<br \/>\nNiemand soll ihnen mehr dreinreden k\u00f6nnen, was sie mit dem Rebberg und seinen<br \/>\nFru\u0308chten tun du\u0308rfen ! Dass dieses Verhalten und sein patriarchalisches Muster<br \/>\ntopaktuell ist, bedarf wohl kaum grosser Erl\u00e4uterung. Wer kennte sie nicht, die<br \/>\nEgoisten, welche den ihnen anvertraute Teil der Welt meinen ausbeuten und<br \/>\nausnutzen zu du\u0308rfen ? Sei es im Umgang mit Menschen, mit Wissen, mit Macht oder<br \/>\nsei es generell im Umgang mit Ressourcen ? Dass sie selbst als Subjekt auf diese<br \/>\nWeise ihren eigenen Anspru\u0308chen unterworfen sind \u2013 das lateinische Wort sub-jectum<br \/>\nheisst bezeichnender Weise: das Unterworfene \u2013 und nun mehr \u201eAntreiber\u201c ihrer selbst<br \/>\nwerden, die immer gestresster und unzufriedener ihren eigenen Begehrlichkeiten<br \/>\nnachrennen, ist dann nur die andere Seite der Medaille.<br \/>\nWas aber noch viel schlimmer ist, ist, dass Menschen, die solche Machtanspru\u0308che<br \/>\nstellen, bereits gewaltt\u00e4tig sind: Indem sie vergessen, dass sie nur P\u00e4chter sind, die<br \/>\nvom wahren Eigentu\u0308mer zum Dienst am Rebberg bestellt sind und sich statt dessen als<br \/>\ndessen Eigentu\u0308mer aufspielen, sind sie zun\u00e4chst gewaltt\u00e4tig gegenu\u0308ber dem<br \/>\nWeinbauern, im Weiteren aber ebenso gegenu\u0308ber dem Rebberg und sich selbst.<br \/>\nIndem sie n\u00e4mlich den Weinbauern als rechtm\u00e4ssigen Besitzer gewaltsam bek\u00e4mpfen,<br \/>\nentreissen sie den Rebberg aus dem Ineinander mit seinem Sch\u00f6pfer und fixieren sich<br \/>\nselbst in der schuldhaften Rolle des Eroberers. Die Gewaltt\u00e4tigkeit, die hier das<br \/>\nkosmische Gewebe eigenm\u00e4chtig trennt, ist heute nicht minder topaktuell. Wir kennen<br \/>\nsie, die Gewalt derer, die etwas \u2013 was auch immer dieses etwas sein mag \u2013 haben<br \/>\n(erfahren, wissen, besitzen) wollen, in Familien und Politik, im Kleinen und im Grossen,<br \/>\naber auch in der Arroganz der modernen Leugnung des Ineinanders von Gott und<br \/>\nKosmos.<br \/>\nIn unserem Gleichnis reagiert der Weinbauer auf die Gewalttat der P\u00e4chter mit<br \/>\nausserordentlich grosser Geduld. Obwohl er, wie am Schluss des Gleichnisses deutlich<br \/>\nwird, durchaus die Macht hat, den P\u00e4chtern den Rebberg wegzunehmen, verzichtet er<br \/>\nvorerst darauf, schickt statt dessen weitere Knechte und, weil es diesen gleich ergeht<br \/>\nwie den vorderen, schliesslich sogar seinen Sohn und erwartet, dass sie wenigstens<br \/>\ndiesen respektieren werden. Doch er irrt sich. Die P\u00e4chter wittern vielmehr ihre<br \/>\nChance, den Rebberg endgu\u0308ltig in ihren Besitz zu nehmen. Sie sagen sich n\u00e4mlich,<br \/>\ndass sie dann, wenn sie den Erben umbringen, dessen Erbschaft in Besitz nehmen<br \/>\ndu\u0308rfen. W\u00e4hrend also der Weinbauer glaubt, mit seiner Intervention das Verhalten der<br \/>\nP\u00e4chter \u00e4ndern zu k\u00f6nnen, radikalisiert er damit bloss ihre Gewaltt\u00e4tigkeit. Die P\u00e4chter<br \/>\nver\u00e4ndern ihr Verhalten nicht, sondern zementieren es gegenu\u0308ber dem h\u00f6heren<br \/>\nEinsatz des Weinbauern nur noch. Uns heute stellt dies vor die bange Frage, ob die<br \/>\nIntervention des Weinbauern deshalb eine Fehlintervention war. Jedenfalls hat<br \/>\noffensichtlich die Sendung des Sohnes nicht den erhoffen Frieden gebracht, sondern<br \/>\ndie begonnene Gewaltspirale nur angekurbelt.<br \/>\nHier nun unterbricht das Gleichnis seine Erz\u00e4hlung. Erz\u00e4hlt wird statt dessen, dass<br \/>\nJesus mit den H\u00f6renden u\u0308ber den Ausgang des Gleichnisses diskutiert. Die Sache ist<br \/>\nallerdings fu\u0308r alle klar: Der Weinbauer wird den P\u00e4chtern den Rebberg wegnehmen<br \/>\nund ihn einem Volk geben, das mit seinem Tun die Fru\u0308chte des Rebbergs bringt. Die<br \/>\nP\u00e4chter wird er zudem grausam bestrafen. Dass der Weinbauer die Macht dazu hat,<br \/>\nwird selbstverst\u00e4ndlich vorausgesetzt. (Heute unterstellt man dem Vater diese Macht<br \/>\nnicht mehr ebenso selbstverst\u00e4ndlich; wir haben uns daran gew\u00f6hnt, dass Kinder<br \/>\nparentifiziert sind und Elternersatzrollen u\u0308bernehmen&#8230;) Dabei wird aber auch klar,<br \/>\ndass die P\u00e4chter fu\u0308r Jesus die Hohepriester und Pharis\u00e4er sind, im weiteren Sinn aber<br \/>\ndas Volk Israel als Ganzes. Das Gleichnis erh\u00e4lt so eine klar heilsgeschichtliche und<br \/>\nanti-israelische Stossrichtung. Es macht n\u00e4mlich deutlich, dass Gott in seinem Prozess<br \/>\nmit dem Kosmos zun\u00e4chst Israel als P\u00e4chter seines Weinberg einsetzte, dass dieses<br \/>\naber seine Knechte, n\u00e4mlich seine Propheten, und schliesslich sogar seinen Sohn,<br \/>\nn\u00e4mlich Jesus Christus, umbrachte, dass es deshalb enterbt und bestraft wird und<br \/>\ndass der Rebberg dem Volk, das dessen Fru\u0308chte bringt, n\u00e4mlich das den Willen Gottes<br \/>\ntut, gegeben wird. So musste bereits die matth\u00e4ische Gemeinde das Gleichnis<br \/>\nverstanden haben, und so wurde es auch in der Kirchengeschichte oft gedeutet.<br \/>\nAuch wenn die konkrete heilsgeschichtliche Situation der matth\u00e4ischen Gemeinde<br \/>\noffensichtlich in diesem Gleichnis reflektiert wird, so spiegelt sich in ihm doch noch eine<br \/>\nviel gr\u00f6ssere Dimension: die Entscheidung von Menschen, gewaltt\u00e4tig zu werden und<br \/>\ndas Ineinander von Gott und Kosmos zu zertrennen, sich sodann \u2013 um mit Descartes<br \/>\nzu sprechen \u2013 zum ma\u00eetre et possesseur de la nature, zum Herrscher und Besitzer der<br \/>\nWelt aufzuspielen, sich selbst im Dienst dieser Macht zu subjektivieren, d.h. zu<br \/>\nunterwerfen, und Gott als Gott der Welt zu beseitigen und die Welt als Welt ohne Gott<br \/>\nzu behaupten.<br \/>\nLiest man das Gleichnis mit dieser kosmologischen Tiefe, dann kritisiert es nicht nur<br \/>\nIsrael, sondern jeden Versuch, Gott und Kosmos von einander zu trennen, um sich<br \/>\nselbst aufgrund eigener Besitzanspru\u0308che als Profiteur dieser Trennung zu etablieren.<br \/>\nDie anti-ju\u0308dische Spitze wird auf diese Weise nicht aufgehoben, aber so breit, dass es<br \/>\nunm\u00f6glich wird, nur Israel als Su\u0308ndenbock hinzustellen. Statt dessen beginnt man<br \/>\ndann aus dem Gleichnis zu vernehmen, dass Israel und wir alle lernen mu\u0308ssen, uns in<br \/>\ndas Ineinander von Gott und Kosmos hineinzugeben und unser Leben aus diesem<br \/>\nIneinander heraus zu leben; wir beginnen zu lernen, in dem Ineinander von Gott und<br \/>\nKosmos zu vibrieren wie eine Saite; wir beginnen zu lernen, aus diesem Vibrieren den<br \/>\nProzess von Vergehen und Entstehen wahrzunehmen, zu gestalten und zum Klingen<br \/>\nzu bringen.<br \/>\nEbenso wie eine Saite nur klingen kann, wenn sie richtig gespannt ist und den n\u00f6tigen<br \/>\nRaum zum Schwingen hat, mu\u0308ssen auch wir als P\u00e4chter zwischen Weinbauer und<br \/>\nRebberg richtig gespannt sein und unbefangen werden gegenu\u0308ber Besitz, Wissen und<br \/>\nWollen. Je mehr uns dies gelingt, desto schwingungs- und resonanzf\u00e4higer, aber auch<br \/>\ndesto beweglicher und kreativer im Prozess zwischen Gott und Kosmos werden wir.<br \/>\nFronten zwischen Gegnern werden auf diese Weise aufgebrochen, Identit\u00e4ten von<br \/>\nGruppen, Kulturen und Menschen weicher, das Gewebe des Kosmos luftiger und<br \/>\nleichter und wir als Menschen gewaltloser und friedfertiger. Einfach weil wir uns<br \/>\nweniger an unserem Haben festhalten und mit unserer Welt, mit andern Menschen, mit<br \/>\nuns selber freier vibrieren k\u00f6nnen.<br \/>\nDies freilich ist der Anfang eines ganz anderen Lebens: Es ist das Leben, dem Gott<br \/>\nbzw. der Weinbauer sein Reich bzw. seinen Rebberg anvertrauen will. Es ist dies<br \/>\nnichts anderes, als was natu\u0308rlicherweise zwischen Gott und Rebberg geschehen will.<br \/>\nDie P\u00e4chter, die sich als Besitzer aufgespielt haben, werden das Eingreifen des<br \/>\nWeinbauern als Strafe erleben und alles, was sie hatten, verlieren; die P\u00e4chter jedoch,<br \/>\ndie immer bloss P\u00e4chter waren, werden darin die g\u00f6ttliche Gnade erkennen, in ihr<br \/>\nvibrieren, kreativ werden und viele Fru\u0308chte bringen. Es ist also nicht so, dass der<br \/>\nWeinbauer bloss seinen Besitz besser verteilt (und damit Gefahr laufen wu\u0308rde, dass<br \/>\nsich die Geschichte wiederholen wu\u0308rde). Vielmehr gibt er sein Reich denen, die sich<br \/>\nnicht am Haben orientieren, sondern aus der Vibration mit ihm und dem Kosmos den<br \/>\nProzess des Vergehens und Werdens sehen und gestalten. Beten wir deshalb, dass<br \/>\nwir der Versuchung widerstehen, den uns anvertrauten Rebberg gewaltsam in<br \/>\nBeschlag zu nehmen und dass wir statt dessen die Vibration zwischen Gott und<br \/>\ndiesem Rebberg vernehmen und anfangen, aus dieser Vibration t\u00e4tig zu werden.<br \/>\nAmen.<\/p>\n<p>Predigt vom 15. Oktober 2006 in Wabern<br \/>\nBernhard Neuenschwander<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ritualart.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/1015__Mat_21.33-46_.pdf\">PDF Datei herunterladen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00f6ret ein andres Gleichnis: Es war ein Hausherr, der pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter darin und baute einen Turm; und er verpachtete ihn an Weing\u00e4rtner und zog ausser Landes. 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