{"id":1000,"date":"2006-07-30T17:42:23","date_gmt":"2006-07-30T15:42:23","guid":{"rendered":"https:\/\/ritualart.ch\/?p=1000\/"},"modified":"2017-05-05T16:02:43","modified_gmt":"2017-05-05T14:02:43","slug":"the-big-business","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ritualart.ch\/en\/the-big-business\/","title":{"rendered":"The big business"},"content":{"rendered":"<p><em>Wiederum ist das Reich der Himmel gleich einem Kaufmann, der sch\u00f6ne Perlen<\/em><br \/>\n<em>suchte. Als er aber eine kostbare Perle gefunden hatte, ging er hin, verkaufte alles,<\/em><br \/>\n<em>was er hatte, und kaufte sie. <\/em><br \/>\n<em>Mat 13,45-46<\/em><\/p>\n<p><!--more-->Liebe Gemeinde<br \/>\nWas haltet ihr von einem Menschen, der all seine Ersparnisse dafu\u0308r einsetzt, sich<br \/>\nendlich seinen Traum einer Chinareise zu erfu\u0308llen ? Wie denkt ihr u\u0308ber eine Frau, die<br \/>\ndazu bereit ist, ein finanziell gesichertes Leben bei ihrem Mann aufzugeben und sich<br \/>\nvon ihm zu trennen, um unter bescheidenen Verh\u00e4ltnissen dem Ruf der Freiheit zu<br \/>\nfolgen ? Wie steht ihr zu einem Mann, der viele Entbehrungen auf sich nimmt, um<br \/>\nirgend einmal doch noch den Annapurna im Himalaya zu erklettern ? Was geht euch<br \/>\ndurch den Sinn, wenn ein begabter Mensch auf eine berufliche Karriere verzichtet,<br \/>\num seiner tieferen Berufung nachzugehen ? So verschieden diese Beispiele sind,<br \/>\ngemeinsam ist ihnen doch dieses: es sind Beispiele, in denen Menschen ihren<br \/>\n\u201eTraum\u201c zu verwirklichen suchen und dazu auf materielle Annehmlichkeiten<br \/>\nverzichten. Und es sind Beispiele, die derselben \u00f6konomischen Logik folgen, wie<br \/>\nunser Predigttext.<br \/>\nBereits diese Logik gibt einiges zu denken. Aber unser Predigttext verbindet sie auch<br \/>\nnoch mit dem Himmelreich. Der Kaufmann, der sch\u00f6ne Perlen suchte, und dann, als<br \/>\ner eine kostbare Perle gefunden hatte, hinging, alles, was er hatte, verkaufte, und<br \/>\ndiese Perle kaufte, wird ja mit dem Himmelreich verglichen. Das Himmelreich sei wie<br \/>\ndieser Kaufmann. Das gibt nun erst recht zu denken !<br \/>\nEs ist u\u0308berhaupt nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass man sein Leben nach dieser<br \/>\n\u00f6konomischen Logik lebt, und es ist nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass eine solche Logik<br \/>\nsinnvoll ist. Denn immerhin ist es eine Logik, die dazu dr\u00e4ngt, mit hohem Einsatz zu<br \/>\nspielen und um des Ziels willen Armut in Kauf zu nehmen. Wir wissen alle, dass eine<br \/>\nsolche Logik ethisch problematisch werden kann, wenn sie zur Legitimation von<br \/>\negoistischen Anspru\u0308chen benutzt wird. Wenn jemand zwar auch eigenen Verzicht<br \/>\nleistet, aber einen mindestens ebenso grossen von seiner oder ihrer Familie<br \/>\nabverlangt, um den n\u00e4chsten Karriereschritt zu verwirklichen, dann mag das fu\u0308r die<br \/>\nbetroffene Person eine tolle Herausforderung, fu\u0308r die u\u0308brigen Familienmitglieder aber<br \/>\nkann es eine Katastrophe sein. Die Aufforderung, die eine Perle zu erlangen, ist<br \/>\nkeine Legitimation dafu\u0308r, seine egoistischen Ziele durchzudru\u0308cken und zu<br \/>\nbehaupten, dass der Zweck die Mittel heilige. Der Kaufmann verkaufte nur alles, was<br \/>\ner hatte, nicht auch das, das ihm nicht geh\u00f6rte.<br \/>\nAber er verkaufte alles, was er hatte, um die eine Perle zu kaufen ! Die eine kostbare<br \/>\nPerle, war ihm so viel Wert, dass er auf alles, was er hatte, verzichtete, weil er diese<br \/>\nPerle kaufen wollte. So egoistisch es auf der einen Seite sein kann, alles fu\u0308r die<br \/>\nVerwirklichung seiner Ziele einzusetzen, so wichtig ist es auf der andern Seite, diese<br \/>\nnicht aus den Augen zu verlieren. Man muss also wissen, was man will. Allerdings<br \/>\nwill ich jetzt nicht danach fragen, was die kostbare Perle sein k\u00f6nnte. Das Wort von<br \/>\nder Perle ist nicht eine Maske fu\u0308r das Eigentliche, das man suchen mu\u0308sste. Es gibt<br \/>\nnicht einen eigentlichen, geistigen Gehalt, der von einem uneigentlichen, materiellen<br \/>\ngetrennt w\u00e4re. Ich folge der alten allegorischen Gleichnisauslegung bewusst nicht.<br \/>\nEntscheidend ist nach meinem Verst\u00e4ndnis vielmehr genau das, was das Gleichnis<br \/>\nsagt: dass der Kaufmann alles, was er hatte, verkaufte, um die kostbare Perle zu<br \/>\nkaufen.<br \/>\nEs gibt viele Dinge, die man im Leben kaufen wollen kann. Was es ist, das man will,<br \/>\nspielt vom Gleichnis her gedacht gar keine Rolle \u2013 vorausgesetzt, man bezahlt seine<br \/>\neigene Rechnung und u\u0308berl\u00e4sst sie nicht andern. Natu\u0308rlich wird das Leben sehr<br \/>\nverschieden sein, je nach dem was die verfolgten Ziele sind. Aber dies sind bloss<br \/>\nVarianten desselben Spiels. Es gibt \u2013 mindestens in unserem Kulturkreis \u2013 viele<br \/>\nArten, sein Leben zu leben, es gibt unz\u00e4hlige Berufsm\u00f6glichkeiten und Traumjobs,<br \/>\nund es gibt die unterschiedlichsten sozialen, materiellen und geistigen Ziele \u2013 seien<br \/>\ndies nun Wissen oder Macht, Ansehen oder Besitz oder seien dies Liebe und innere<br \/>\nWerte. All dies kann man mit gutem Gewissen anstreben, solange man die Kosten<br \/>\nfu\u0308r sein Verhalten selber bezahlt und nicht andern anh\u00e4ngt. Und man muss seine<br \/>\nZiele nicht nur kennen, man muss ihnen auch treu bleiben, muss seine Tr\u00e4ume wach<br \/>\nhalten, und man darf sie nicht durch allt\u00e4gliche Erfordernisse u\u0308berdecken und<br \/>\nverw\u00e4ssern. Nur wenn man sie im Blick beh\u00e4lt, den Willen zu ihre Verwirklichung<br \/>\nbeh\u00e4lt und sich ernsthaft darum ku\u0308mmert, sie im Laufe des Lebens zu realisieren,<br \/>\nkann man sie erreichen. Der Kaufmann weiss, dass er sch\u00f6ne Perlen sucht; er will,<br \/>\ndie kostbare Perle besitzen; und er tut das N\u00f6tige, um sie zu erwerben. Deshalb ist<br \/>\nes fu\u0308r ihn klar, dann, wenn sich ihm die Gelegenheit bietet, auf seinen u\u0308brigen Besitz<br \/>\nzu verzichten und die kostbare Perle zu erwerben.<br \/>\nEs ist einiges an pers\u00f6nlicher Freiheit n\u00f6tig, um zu einem solchen Einsatz f\u00e4hig zu<br \/>\nsein. Wer an seinem Besitz klebt, ist dazu nie in der Lage, und wer sich in seinen<br \/>\nGu\u0308tern wohlig eingerichtet hat, wird den Mut zu einem solchen Wagnis nie<br \/>\naufbringen. Allzu m\u00e4chtig sind fu\u0308r uns normalerweise die Gewohnheiten, und allzu<br \/>\n\u00e4ngstlich halten wir normalerweise am Vertrauten fest. Und in der Tat: das Risiko ist<br \/>\nhoch. Was, wenn der Traum platzt und die erhoffte Erfu\u0308llung der Sehnsucht nicht<br \/>\ngeschieht ? Was, wenn das erreichte Ziel bald schal und langweilig wird, oder der<br \/>\nBesitz schwieriger ist als erwartet ? Hat man dann nicht bloss viel verloren, sondern<br \/>\nauch nichts gewonnen ? Der Unternehmer, der weiss, was auf dem Spiel steht, wenn<br \/>\ner hohe Investitionen t\u00e4tigt, braucht viel pers\u00f6nliche Freiheit gegenu\u0308ber seinen<br \/>\n\u00c4ngsten und grosse Souver\u00e4nit\u00e4t im Angesicht m\u00f6glicher Schwierigkeiten. Aber: Nur<br \/>\nwer wagt, gewinnt, und nur wer den Mut zum Risiko hat, hat die Chance, dass sein<br \/>\nTraum in Erfu\u0308llung geht und die Suche nach sch\u00f6nen Perlen durch den Erwerb der<br \/>\nkostbaren Perle belohnt wird.<br \/>\nDas Himmelreich ist gleich einem Menschen, der sein Leben aus dieser pers\u00f6nlichen<br \/>\nFreiheit lebt. Einbeziehen mu\u0308ssen wir hier alles, was wir schon gesagt haben: dass<br \/>\nes nicht darum geht, seine Freiheit auf Kosten der Andern zu leben, sondern die<br \/>\nVerantwortung fu\u0308r den Preis, den das freie Leben kostet, selber zu u\u0308bernehmen und<br \/>\nzu bezahlen; dass es aber wichtig ist, sich seine Ziele in Freiheit zu w\u00e4hlen und<br \/>\netwas dafu\u0308r zu unternehmen, dass seine Tr\u00e4ume in Erfu\u0308llung gehen. Beide Seiten<br \/>\ndieser unternehmerischen Freiheit mu\u0308ssen einbezogen werden, um den Vergleich<br \/>\nmit dem Himmelreich nachzuvollziehen.<br \/>\nDer Vergleich selbst ist auff\u00e4llig. Es ist doch sehr zu beachten, dass das Himmelreich<br \/>\nim Gleichnis einer bestimmten unternehmerischen Freiheit expliziert wird. Es ist<br \/>\ngewiss nicht so, dass das Himmelreich auf diese Weise mit einer bestimmten<br \/>\n\u00f6konomischen Realit\u00e4t identifiziert wu\u0308rde, wohl aber wird es untrennbar mit einer<br \/>\nsolchen verbunden. Wenn\u2019s ums Himmelreich geht, geht es zugleich um etwas<br \/>\n\u00dcber\u00f6konomisches wie um etwas \u00d6konomisches. Das Himmelreich ist mehr und<br \/>\nanders als eine bestimmte \u00d6konomie, aber es geschieht nicht jenseits von, sondern<br \/>\nes geschieht als \u00d6konomie. Das Wort gesprochen wird auf diese Weise einerseits<br \/>\neiner unternehmerischen Freiheit, die sich und ihre Ziele zugunsten von andern<br \/>\nMenschen und dem Weg zu diesen Zielen zu relativieren in der Lage ist, die also<br \/>\nnicht vergisst, dass ihr das Himmelreich vorgeht und dass sie durch dieses geformt,<br \/>\nbestimmt und gefordert ist. Das Wort gesprochen wird damit aber andererseits auch<br \/>\neiner unternehmerischen Freiheit, die dazu aufgefordert ist, das Himmelreich durch<br \/>\ndas Verfolgen ihrer Ziele und das Festhalten ihrer Tr\u00e4umen entstehen zu lassen und<br \/>\nkonkret in der Welt zu verwirklichen, die also dazu berufen ist, das Himmelreich in<br \/>\nder Welt als Mit-Sch\u00f6pferin Gottes zu kreieren. Beide Seiten sind dabei zu beachten:<br \/>\ndie Kreation der \u00d6konomie durch das Himmelreich und die Kreation des<br \/>\nHimmelreichs durch die \u00d6konomie. Zusammenhalten sind beide Seiten durch die<br \/>\nunternehmerische Freiheit, die einerseits vom Himmelreich geschaffen ist und<br \/>\nandererseits das Himmelreich schafft.<br \/>\nDas ist allerhand. Im Kern freilich ist es ein Pl\u00e4doyer dafu\u0308r, sein Leben als<br \/>\nUnternehmen zu erfassen, das durch das Himmelreich kreiert wird und deshalb in<br \/>\ndankbarer Verantwortung darauf achtet, die Kosten, die es verursacht, selber zu<br \/>\nzahlen und nicht andern Menschen aufzubu\u0308rden, das aber zugleich dem Auftrag<br \/>\nfolgt, das Himmelreich auf dieser Erde zu kreieren und als Mit-Sch\u00f6pfer Gottes zur<br \/>\nVerwirklichung seines Reiches mitzuarbeiten. Die \u00d6konomie eines solchen<br \/>\nUnternehmens bleibt riskant. Sie ist dazu aufgefordert, selbstverantwortlich die<br \/>\neigenen Kosten zu u\u0308bernehmen, um den grossen Lohn zu erhalten; und sie ist zu<br \/>\nvollem Einsatz gerufen, um die kostbare Perle zu erlangen. Voraussetzung bleibt,<br \/>\ndass sie in der Gradheit unternehmerischer Freiheit verwurzelt bleibt, sich nicht durch<br \/>\nDruck und Zwang von aussen oder innen verbiegen l\u00e4sst, sondern standhaft und<br \/>\nsenkrecht bleibt und sich so die Freiheit beh\u00e4lt, alles, was man hat, zu verkaufen, um<br \/>\ndie kostbare Perle zu kaufen. Beten wir deshalb darum, dass wir Gott treu bleiben<br \/>\nund seine Freiheit durch unsere Freiheit sch\u00f6pferisch zur Geltung bringen. Amen.<\/p>\n<p>Predigt vom 30. Juli 2006 in Wabern<br \/>\nBernhard Neuenschwander<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ritualart.ch\/wp-content\/uploads\/2006\/07\/0730__Mat_13.45-46_.pdf\">PDF Datei herunterladen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wiederum ist das Reich der Himmel gleich einem Kaufmann, der sch\u00f6ne Perlen suchte. Als er aber eine kostbare Perle gefunden hatte, ging er hin, verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie. 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